Meine jährlichen Umweltbelastungen habe ich in allen Wirkungskategorien erheblich gesenkt.

Verbesserung

Die Ergebnisse meiner Ökobilanz berührten mich sehr. Sie waren tiefrot – und spornten mich an, nun zweierlei mit aller Vehemenz anzugehen:

  1. Die Verbesserung meines Lebensstils unter ökologischen Gesichtspunkten und
  2. die aktive Wiedergutmachung der von mir verursachten Schäden auf möglichst breiter Front.

Um sinnvoll und strukturiert vorzugehen, erarbeitete ich mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem WWF zunächst eine Liste mit über 50 ökologischen Verbesserungsmaßnahmen für meinen Alltag. Bis auf eine – den Verzicht auf Kaffee – habe ich alle umgesetzt und dann von den Wissenschaftlern der TU Berlin um Prof. Matthias Finkbeiner überprüfen lassen, welchen Effekt sie auf meinen aktuellen ökologischen Fußabdruck haben.

Verbesserungen insgesamt

In allen Wirkungskategorien der Ökobilanz zeigen die Maßnahmen messbare und teils erhebliche Verbesserungen. Zum Beispiel habe ich innerhalb eines Jahres meine CO2-Bilanz insgesamt um über 70% gesenkt. War sie vorher mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt hierzulande, so liegt sie heute deutlich darunter, obwohl ich immer noch vergleichsweise viel unterwegs bin.

Beispiele für Empfehlungen des NABU und meine Erfahrungen und Erfolge damit

1. Empfehlung: Verzicht auf Flugreisen und Vermeidung des PKW

Meine Erfahrungen:

Der Umstieg von Auto und Flugzeug auf die Bahn macht reisen entspannter – wenn die Züge der Deutschen Bahn denn fahren (was sie gelegentlich auch tun). Die Bahn hat mich (oft unfreiwillig) entschleunigt – und meinen Fußabdruck rasant verkleinert.

Ergebnisse:

2. Empfehlung: Energetische Modernisierung des Hauses

Meine Erfahrungen

Eine teure Angelegenheit – doch sie wirkt über Generationen. Energetische Optimierung, modernisierte Heizung, neue Fenster und Türen und Sorgfalt im Umgang mit Gas, Strom und Wasser, unterstützt von einem Energieberater.

Ergebnisse:

3. Empfehlung: Vegane Ernährung + Ernährungsumstellung Hund

Meine Erfahrungen

Mehr Obst, mehr Gemüse, dazu knapp zwei Liter Leitungswasser täglich. Fleisch ist gestrichen – es sei denn, ich habe bei der Jagd auf Wildschweine und Rehe im nahegelegenen städtischen Revier Diana, die Göttin der Jagd, auf meiner Seite… Wildfleisch ist fettarm, ökologisch zweifelsfrei und macht geschmacklich viel Freude.

Matthias Finkbeiner (TU Berlin) regte zudem an, den ökologisch belastenden Kaffee durch lokales Bier zu ersetzen … sozial ein kritisches Moment (ich bin zumindest morgens beim Kaffee geblieben).

Ergebnisse:

Weitere Empfehlungen vom NABU

Zusätzlich zu den erwähnten Maßnahmen des Alltags zeigten WWF und NABU mir auch Möglichkeiten auf, in der Sache hilfreich auf mein Umfeld einzuwirken. Das ließ mich innerlich zurückzucken. Ein Leben lang ein Ökorüpel, und jetzt anderen grüne Ratschläge geben – niemals! Doch die Ideen lohnen natürlich einen Blick:

4. Empfehlung: Minimalistisches Konsumverhalten

Mein Kommentar:

Auf jeden Kaufimpuls folgt eine Frage: Brauche ich das wirklich? Die emotionale Antwort ist, nach einem kurzen Moment des Innehaltens, fast immer dieselbe: Nein.

5. Bei etwaigen Ersparnissen auf eine nachhaltige Anlage achten

Mein Kommentar:

Das Projekt GREENZERO verbraucht meine Ersparnisse beinahe vollständig. Da ist auch für die ökologischste Bank nicht mehr viel zu holen. Gleichwohl: Wenn ich jemals wieder richtig flüssig bin, dann bei einer grünen Bank.

6. Multiplikator und Botschafter sein

Mein Kommentar:

Na gut, dachte ich, dann schreibe ich halt ein Buch darüber.

7. Berufliche Position nutzen, um Einfluss auf die Wirtschaftsweise des Unternehmens zu nehmen

Mein Kommentar:

Etliche meiner Mitarbeiter haben ein wenig verwirrt beobachtet, wie sich mein Leben wandelte – und fahren heute mit der Bahn, ohne dass ich dies je vorgegeben hätte. Nachhaltigkeit scheint manchmal anzustecken.

8. Bei Konsumentscheidungen ökologische Kennwerte bei Händlern und Produzenten nachfragen und Einfluss als Konsument nutzen. Im besten Fall basiert das Kaufverhalten auf ökologischen Entscheidungen.

Mein Kommentar:

Fragen Sie bitte nie einen italienischen Kellner, woher der Fisch kommt und ob er nachhaltig gefischt wurde – er könnte das völlig missverstehen. Ansonsten versteht es sich von selbst, dass nur noch nachhaltig beschafft wird, was vonnöten ist.

9. Unterstützung politischen Engagements, um Umweltwirkungen, die durch den eigenen Lebensstil nicht beeinflusst werden können (öffentliche Emissionen), zu reduzieren

Mein Kommentar:

Für Politik bin ich ungeeignet. Doch in verschiedenen Ministerien habe ich mein Vorhaben vorgestellt und sehr offene und interessierte Gesprächspartner gefunden. Veränderung braucht Dialog und Diskurs.

10. Weitere Diskussion und Ausarbeitung von potenziellen Vorschlägen zur Vorgehensweise

Mein Kommentar:

An der TU Berlin werden „Paper“ über unser Projekt erstellt, und mit Umweltbundesamt, Naturschutzverbänden und Behörden diskutieren wir den richtigen Kompensationsweg. Manchmal raucht dann der Kopf, doch ich lerne täglich Neues dazu: über Umwelt, Naturschutz und Ökologie – das ist großartig!

Soviel zur Verbesserung. Wirklich schwierig freilich wird nun der dritte Teil meines Vorhabens: die aktive Wiedergutmachung der von mir angerichteten Umweltschäden. Denn wirklich belastbare und funktionierende Methoden dafür gab und gibt es bis dato kaum – verschiedene Ansätze von CO2-Kompensation im politischen und öffentlichen Raum vielleicht ausgenommen.

Doch Zertifikatehandel und Bäumepflanzen schienen uns ungeeignet, tatsächlich das auszugleichen, was ich angerichtet hatte – grundsätzlich Neues muss also gefunden werden …

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Grafiken: © Dirk Gratzel